Neurotizismus
Neurotizismus beschreibt die Tendenz zu negativen Gefühlen. Freud verwendete den Begriff Neurose ursprünglich, um einen Zustand zu beschreiben, der von seelischer…

Neurotizismus beschreibt die Tendenz zu negativen Gefühlen.
Freud verwendete den Begriff Neurose ursprünglich, um einen Zustand zu beschreiben, der von seelischer Belastung, emotionalem Leiden und der Unfähigkeit, die normalen Anforderungen des Lebens wirksam zu bewältigen, geprägt ist. Er vertrat die Ansicht, dass jeder Mensch gewisse Anzeichen einer Neurose zeigt, wir uns aber im Ausmaß des Leidens und in den konkreten Symptomen der Belastung unterscheiden. Heute bezeichnet Neurotizismus die Neigung, negative Gefühle zu erleben.
Dieses Merkmal ist eine der fünf breiten Dimensionen im Big-Five-Modell. Dieser Artikel behandelt das Merkmal selbst und seine sechs Facetten.
Menschen mit hohen Werten bei Neurotizismus erleben möglicherweise vor allem ein bestimmtes negatives Gefühl wie Angst, Wut oder Niedergeschlagenheit, wahrscheinlich aber mehrere dieser Emotionen.
Menschen mit hohem Neurotizismus sind emotional leicht erregbar. Sie reagieren emotional auf Ereignisse, die die meisten Menschen unberührt lassen würden, und ihre Reaktionen sind meist intensiver als üblich. Sie neigen eher dazu, gewöhnliche Situationen als bedrohlich und kleine Frustrationen als hoffnungslos schwierig zu empfinden.
Ihre negativen emotionalen Reaktionen halten oft ungewöhnlich lange an, was bedeutet, dass sie häufig schlechter Stimmung sind. Diese Probleme bei der Emotionsregulation können die Fähigkeit eines neurotischen Menschen beeinträchtigen, klar zu denken, Entscheidungen zu treffen und Stress wirksam zu bewältigen.
Angst
Das „Kampf-oder-Flucht“-System im Gehirn ängstlicher Menschen springt zu leicht und zu oft an. Deshalb haben Menschen mit hohen Werten bei Angst oft das Gefühl, dass gleich etwas Gefährliches passiert. Sie fürchten sich vielleicht vor bestimmten Situationen oder sind einfach allgemein ängstlich. Sie fühlen sich angespannt, fahrig und nervös. Personen mit niedrigen Werten bei Angst sind im Allgemeinen ruhig und furchtlos.
Wut
Personen mit hohen Werten bei Wut geraten in Rage, wenn die Dinge nicht nach ihrem Willen laufen. Sie reagieren empfindlich darauf, ob sie fair behandelt werden, und fühlen sich verbittert und nachtragend, wenn sie glauben, betrogen zu werden. Diese Skala misst die Neigung, Wut zu empfinden; ob die Person ihren Ärger und ihre Feindseligkeit auch zeigt, hängt von ihrer Ausprägung bei Verträglichkeit ab. Menschen mit niedrigen Werten werden selten und nicht so leicht wütend.
Depression
Diese Skala misst die Neigung, sich traurig, niedergeschlagen und entmutigt zu fühlen. Menschen mit hohen Werten fehlt es an Energie, und es fällt ihnen schwer, Aktivitäten in Gang zu bringen. Menschen mit niedrigen Werten sind von solchen depressiven Gefühlen meist frei.
Befangenheit
Befangene Menschen reagieren empfindlich darauf, was andere von ihnen denken. Aus Sorge vor Ablehnung und Spott fühlen sie sich in Gegenwart anderer schüchtern und unbehaglich. Sie sind leicht verlegen und schämen sich oft. Ihre Befürchtungen, von anderen kritisiert oder verspottet zu werden, sind übertrieben und unrealistisch, aber ihre Unbeholfenheit und ihr Unbehagen können diese Befürchtungen zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung machen. Menschen mit niedrigen Werten leiden dagegen nicht unter dem irrigen Eindruck, dass alle sie beobachten und beurteilen. Sie fühlen sich in sozialen Situationen nicht nervös.
Übermaß
Menschen mit hohen Werten bei Übermaß verspüren starke Gelüste und Bedürfnisse, denen sie nur schwer widerstehen können. Sie orientieren sich eher an kurzfristigen Freuden und Belohnungen als an langfristigen Folgen. Menschen mit niedrigen Werten erleben keine starken, unwiderstehlichen Gelüste und sind daher auch nicht versucht, über die Stränge zu schlagen.
Empfindlichkeit
Menschen mit hohen Werten bei Empfindlichkeit erleben unter Druck oder Stress Panik, Verwirrung und Hilflosigkeit. Menschen mit niedrigen Werten bleiben unter Stress gefasster, selbstsicherer und denken klarer.
