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Depression: Warum sind manche Menschen öfter niedergeschlagen als andere?

Warum rutschen manche leichter in gedrückte Stimmung? Was die Facette Depression bedeutet, wie sie sich von der Krankheit unterscheidet und wie sie gemessen wird.

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Depression: Warum sind manche Menschen öfter niedergeschlagen als andere?

Es ist Sonntagabend. Nichts Besonderes ist passiert, aber ein schweres, graues Gefühl macht sich breit. Pläne, auf die du dich gefreut hast, wirken plötzlich sinnlos, und es fällt dir schwer, überhaupt mit etwas anzufangen.

Für manche ist das ein seltener Gast. Für andere kommt es oft, und ohne erkennbaren Grund.

Warum neigen manche Menschen stärker zu gedrückter Stimmung als andere, selbst wenn das Leben einigermaßen gut läuft?

Die Psychologie beschreibt einen Teil dieses Unterschieds mit der Facette Depression. Im Big-Five-Modell ist sie eine von sechs Facetten des Neurotizismus. Sie beschreibt, wie leicht du dich traurig, niedergeschlagen und entmutigt fühlst und wie oft dir Energie und Antrieb fehlen.

Was bedeutet Depression?

Der Name kann in die Irre führen. In den Big Five misst die Facette Depression nicht die Krankheit Depression. Sie misst eine normale Persönlichkeitsneigung, die alle in gewissem Maß haben: wie anfällig du für gedrückte Stimmung bist und dafür, dich selbst schlecht zu fühlen.

Wer hoch abschneidet, erkennt sich oft darin wieder:

  • Du fühlst dich oft bedrückt oder niedergeschlagen, manchmal ohne klaren Grund.
  • Du kannst hart mit dir ins Gericht gehen und magst dich manchmal selbst nicht.
  • Es fällt dir schwer, in Gang zu kommen, selbst bei Dingen, die dir sonst Spaß machen.
  • Rückschläge können sich für dich schwerer anfühlen und länger nachwirken als für andere.
  • Vielleicht hast du das Gefühl, alles sei hoffnungslos, wenn es eigentlich nur schwierig ist.

Ein hoher Wert bedeutet nicht, dass du krank bist. Viele Menschen mit hohem Wert hatten noch nie eine depressive Episode, und viele führen ein gutes Leben mit engen Beziehungen und sinnvoller Arbeit.

Entscheidend ist, wie leicht deine Stimmung nach unten kippt und wie lange es dauert, bis sie wieder nach oben kommt.

Persönlichkeit und Depression hängen zusammen

Eine große Metaanalyse von 2010 fasste 175 Studien zusammen, um zu untersuchen, wie die Big Five bei Erwachsenen mit Depression, Angststörungen und Substanzgebrauchsstörungen zusammenhängen.

Alle diagnostischen Gruppen hatten hohe Neurotizismuswerte, mit einem großen durchschnittlichen Unterschied zu Menschen ohne diese Störungen. Neurotizismus war durchweg der stärkste Zusammenhang. Viele Gruppen hatten außerdem niedrige Werte bei der Extraversion, und der größte Effekt für niedrige Extraversion fand sich bei der Dysthymie, einer lang anhaltenden Form der Depression.

Die Analyse maß das breite Merkmal, nicht die Facette Depression allein, und sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Aber sie erklärt, warum Forschende Neurotizismus als wichtigen Risikofaktor sehen: Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, ohne über den Ausgang zu entscheiden.

Grübeln: wenn Nachdenken es schlimmer macht

Warum gehen manche Stimmungstiefs vorüber, während andere sich vertiefen?

Die Psychologin Susan Nolen-Hoeksema hat einen großen Teil ihrer Laufbahn der Erforschung des Grübelns (Rumination) gewidmet: der Gewohnheit, immer wieder darüber nachzudenken, wie schlecht man sich fühlt, warum man sich so fühlt und was das bedeutet.

In einer Studie von 2000 fand sie, dass Menschen, die zum Grübeln neigten, wenn sie niedergeschlagen waren, später eher depressive Störungen entwickelten, darunter auch neu auftretende depressive Episoden. Grübeln sagte auch Angstsymptome voraus.

Grübeln fühlt sich an wie Problemlösen. Du versuchst zu verstehen, warum es dir schlecht geht. Aber vor allem hält es deine Aufmerksamkeit bei dem schlechten Gefühl, und das verstärkt es eher.

Ein Persönlichkeitsmerkmal ist nicht dasselbe wie eine Krankheit

Das ist die wichtigste Unterscheidung.

Depression als Krankheit ist ein klinischer Zustand mit Symptomen, die über längere Zeit anhalten und Schlaf, Appetit, Energie, Konzentration und Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen. Nur eine Ärztin, ein Arzt oder eine psychologische Fachperson kann diese Diagnose stellen.

Bei der Facette Depression geht es um eine Veranlagung. Du kannst hoch abschneiden und nie krank werden, und du kannst niedrig abschneiden und trotzdem nach einem schweren Verlust oder einer harten Zeit depressiv werden.

Eine placebokontrollierte Studie von 2009 veranschaulicht den Unterschied. Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Depression erhielten ein Antidepressivum, kognitive Therapie oder ein Placebo. Die Patientinnen und Patienten mit Placebo verbesserten sich deutlich in ihrer Depression, aber ihre Neurotizismuswerte bewegten sich kaum. Die Krankheit und das Persönlichkeitsmerkmal veränderten sich nicht auf dieselbe Weise.

Die Facette unterscheidet sich auch von niedriger Heiterkeit, einer Facette der Extraversion. Bei Heiterkeit geht es darum, wie oft du Freude und Begeisterung empfindest. Bei Depression geht es darum, wie oft du dich traurig und entmutigt fühlst. Du kannst viel lachen und trotzdem Phasen schwerer Stimmung haben, und du kannst still und ernst sein, ohne traurig zu sein.

Was bedeutet ein hoher oder niedriger Wert?

Hohe Depression

Du neigst stärker zu Phasen gedrückter Stimmung, Selbstkritik und geringer Energie. Das kann den Alltag schwerer machen, und es kann klug sein, in anstrengenden Zeiten besonders gut auf dich zu achten.

Viele mit hohem Wert sind zugleich nachdenklich, ehrlich im Umgang mit schwierigen Gefühlen und gut darin, anderen beizustehen, denen es schlecht geht.

Niedrige Depression

Du bist selten lange niedergeschlagen und magst dich meist so, wie du bist. Rückschläge sind unangenehm, bringen dich aber selten zum Stillstand.

Das heißt nicht, dass du vor Depressionen geschützt bist. Lebensereignisse können jeden treffen. Ein niedriger Wert bedeutet vor allem, dass gedrückte Stimmung nicht dein Grundzustand ist.

Beide Beschreibungen handeln von typischen Neigungen, nicht von Regeln, die in jeder Situation gelten.

Im Alltag

  • Im Beruf: Wenig Energie kann es schwer machen, mit Aufgaben anzufangen, selbst mit einfachen. Sie in kleine Schritte aufzuteilen, macht oft einen großen Unterschied.
  • In Beziehungen: Wenn du niedergeschlagen bist, ist die Versuchung groß, dich zurückzuziehen. Einem nahestehenden Menschen zu erzählen, wie es dir geht, hilft meist mehr, als du erwartest.
  • Selbstbild: Wer hoch abschneidet, ist oft sein eigener härtester Kritiker. Frag dich, ob du mit einer Freundin so reden würdest, wie du mit dir selbst redest.
  • Jahreszeiten und Routinen: Viele merken, dass Schlaf, Tageslicht, Bewegung und feste Routinen ihre Stimmung stärker beeinflussen, als sie denken.

Kann sich die Facette Depression verändern?

Ja. Sowohl die Stimmung als auch die zugrunde liegende Neigung können sich verändern.

Verhaltensaktivierung ist eine der am besten untersuchten Methoden. Sie beruht auf einer einfachen Idee: Statt zu warten, bis du Lust hast, etwas zu tun, planst du kleine, sinnvolle Aktivitäten und machst sie trotzdem, damit die Stimmung dem Handeln folgen kann. Eine Metaanalyse von 26 randomisierten Studien aus dem Jahr 2014 fand, dass Verhaltensaktivierung depressive Symptome im Vergleich zu Kontrollbedingungen deutlich verringerte.

In der oben erwähnten Studie von 2009 führten sowohl Medikamente als auch kognitive Therapie zu mehr Veränderung beim Neurotizismus als das Placebo. Persönlichkeit ist nicht in Stein gemeißelt.

Was außerdem helfen kann:

  • Achte darauf, wann du anfängst zu grübeln, und wechsle zu etwas Konkretem, das du tun kannst.
  • Halte an Aktivitäten fest, die dir ein Gefühl von Können oder Freude geben, auch wenn du keine Lust hast.
  • Sorg für genug Schlaf, Tageslicht und Bewegung. Das löst nicht alles, aber es hilft.

Ein Big-Five-Wert ist keine Diagnose. Wenn du dich zwei Wochen oder länger an den meisten Tagen niedergeschlagen fühlst oder es deinen Schlaf, deine Arbeit oder deine Beziehungen beeinträchtigt, sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer psychologischen Fachperson. Wenn du Suizidgedanken hast, such dir sofort Hilfe.

Häufige Fragen

Bedeutet ein hoher Wert bei der Facette Depression, dass ich depressiv bin?

Nein. Die Facette misst eine Persönlichkeitsneigung, keine Krankheit. Viele Menschen mit hohem Wert sind nicht depressiv. Wenn du dir bei deiner eigenen Situation unsicher bist, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Kann ich bei Depression hoch abschneiden und trotzdem glücklich sein?

Ja. Ein hoher Wert bedeutet, dass du anfälliger für Tiefs bist, nicht, dass du immer unglücklich bist. Viele führen ein gutes Leben mit viel Freude, merken aber, dass ihre Stimmung leichter absackt als bei anderen.

Warum fragt die Facette Depression danach, wie ich mich selbst sehe?

Weil Selbstkritik und gedrückte Stimmung oft zusammengehören. Sich selbst nicht zu mögen und sich in seiner Haut wohlzufühlen, sind zwei Seiten derselben Neigung, die die Facette zu erfassen versucht.

Wie wird Depression im Big-Five-Test gemessen?

Unser Test basiert auf dem IPIP-NEO-120, in dem jede Facette mit vier Aussagen gemessen wird. Bei Depression geht es darum, sich oft bedrückt zu fühlen, sich selbst nicht zu mögen, oft niedergeschlagen zu sein und (umgekehrt gewertet) sich wohl in seiner Haut zu fühlen. Lies den Wert als Hinweis auf ein Muster, nicht als vollständige Beschreibung deiner Person.

Finde heraus, wo du stehst

Depression ist nur eine der sechs Facetten des Neurotizismus. Du kannst zu gedrückter Stimmung neigen und trotzdem bei Wut, Angst oder Empfindlichkeit niedrig abschneiden.

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